Guter Start in die Zukunft

Neue Steuerungsgruppe diskutiert Geschäftsideen für Kiez und Ladenstraße

Gleich zu Beginn des Neuen Jahres traf sich der „harte Kern“ der im Kiez Aktiven, um die bisherigen Ergebnisse des Kiezprozesses zu diskutieren und die nächsten Schritte festzulegen.
Außer den Projektpartnern: Christian Ansorge von Immobilien Ansorge oHG, Verena Charnow von Elektro Schäffler und Interessengemeinschaft Ladenstraße, Ute Scheub vom Nachbarschaftsverein Papageiensiedlung und Kathrin Kronberg vom Qualifizierungsträger BfU waren eingeladen: Dieter Aßhauer, der für das Marketing in der Ladenstraße zuständig ist, Pfarrerin Hagmayer von der Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde, die für das soziale und kulturelle Leben im Kiez eine entscheidende Rolle spielt, Bruno Seid als Anwohner und Unternehmensberater, der im Vorfeld eine Reihe interessanter Vorschläge für die Kiezentwicklung gemacht hatte, Herr von Boroviczeny, der als Mitglied der BVV über sehr gute Kenntnisse der Entwicklung im Umfeld des Onkel-Tom-Kiezes (Bauvorhaben Truman Plaza, Headquarter und Oskar Helene Heim) verfügt und außerdem Frau von Boroviczeny für den Mieterverein Onkel Tom Siedlung in der Steuerungsgruppe vertrat. Sowie Prof. Dr. Sven Ripsas, Anwohner und Professor für Entrepreneurship (Unternehmensgründungen) an der Hochschule für Wirtschaft und Recht, der in die Kiez-Entwicklung mit seinen Studenten im Sommersemester junge, frische Ideen einbringen und den Prozess begleiten will.
Als Ergebnis der in den letzten Monaten durchgeführten Bewohner-Befragungen sowie zahlreicher Gespräche mit Akteuren aus dem Wirtschafts- und Sozialleben im Kiez, sieht Frau Wohlers vom Projektträger aha den Ansatz des Projekts bestätigt: Eine zukunftsfähige Entwicklung der Ladenstraße kann es nur geben, wenn die Bedürfnisse der Bewohner und das Potenzial im Kiez und in der Ladenstraße zusammengebracht werden.

Frau Wohlers betonte in diesem Zusammenhang auch, dass der Bezirk Steglitz-Zehlendorf, der die Entwicklung der Ladenstraße seit Jahren kontinuierlich unterstützt, sich durch das Projekt „Neue Arbeit im Zukunftskiez Onkel Toms Hütte“ erneut für den Standort engagiert und bat die Teilnehmer um Ihre aktive Mitarbeit bei der weiteren Entwicklung.
Wie in der späteren Diskussion deutlich wurde, geht die Entwicklung im Umfeld des Kiezes Onkel Toms Hütte (Neubau am Hegewinkel, Truman Plaza, Headquarter, Oskar-Helene-Heim) rasant vonstatten. Es kommt deshalb darauf an, die Chance des durch die EU geförderten und vom Bezirklichen Bündnis für Wirtschaft und Arbeit (BBWA) unterstützten Projektes, gut zu nutzen.

Verschönerung der Ladenstraße

Die Runde war sich einig, dass eine Verbesserung des Erscheinungsbildes der Ladenstraße – wie beim Treffen der Gewerbetreibenden am 24. November besprochen - spätestens bis zum 80sten Geburtstag der Ladenstraße im September erreicht sein soll.
Zu diesem Punkt berichtete Herr Christian Ansorge vom Einzug des Malergeschäfts in die Ladenstraße. Außer einem frischen Anstrich sollen in einem ersten Schritt verschiedene Reparaturen ausgeführt und die Beleuchtungs-Situation verbessert werden. Mittlerweile ist der Maler vor Ort. Sobald die Temperaturen steigen, werden Kränsel und Dembski loslegen. Auch in den Schaukästen vor den Eingängen zur Ladenstraße hat sich etwas getan. Die Kunden der Einkaufszeile können jetzt auf einen Blick sehen, welche Geschäfte in der Ladenstraße angesiedelt sind. Die Übersicht der in der Ladenstraße tätigen Gewerbetreibenden in den Schaukästen wurde aktualisiert und „ins rechte Licht“ gesetzt. Mehr über die geplanten Verschönerungs-Maßnahmen in der Ladenstraße erfahren Sie im nächsten Newsletter.

Neue Geschäftsideen

Im Anschluss an das Thema Standort-Gestaltung und –Marketing diskutierten die Teilnehmer die vom Projektträger vorgestellten Geschäftsideen, die aus den Befragungen der Bewohner sowie den Gesprächen mit Akteuren aus dem Wirtschafts- und Sozialleben im Kiez und im Bezirk in den letzten drei Monaten hervorgegangen sind. Die folgenden Projektideen wurden von der Runde favorisiert und als umsetzbar angesehen:

Cafe-Restaurant

Der Wunsch nach einem charmanten Cafe-Restaurant für Alt und Jung, das sich die überwiegende Zahl der befragten Kunden und Bewohner wünscht und das auch viele Gewerbetreibende zur Belebung der Ladenstraße für wünschenswert halten, wird durch einen der Gewerbetreibenden in der Ladenstraße möglicherweise bald realisiert werden. Mehr dazu erfahren Sie, sobald diese Pläne spruchreif sind.

Marktstände auf dem Vorplatz Onkel Tom Straße

Auch die vorliegende Planung der BVG zur Gestaltung des Bahnhofs-Vorplatzes, die vom Nachbarschaftsverein Papageiensiedlung in Gang gebracht wurde, wartet auf ihre Umsetzung. Von Seiten der BVG, die den Zugang zum Bahnhof auch behinderten-gerecht machen will, gibt es grünes Licht. Sobald die Mittel vom Senat freigegeben sind, soll der Umbau von statten gehen.
Wenn es so weit ist, sollen an einem Runden Tisch noch offene Fragen geklärt werden, z.B. die Versorgung von Marktfahrzeugen für Frischfleisch oder Fisch durch Wasser- und Stromanschlüsse.

Gesunde Ernährung im Kiez

Ausgehend von den geplanten Marktständen auf dem Vorplatz, die neben Fleisch und Fisch auch Lebensmittel aus der Region anbieten sollen, gab es rund um das Thema „Gesunde Ernährung“ viele Ideen, die mit Akteuren aus der Ladenstraße und aus dem Kiez umgesetzt werden könnten: Angefangen bei einem Liefer- und Catering-Service, organisiert und betrieben durch Gewerbetreibende der Ladenstraße, über Gesundheits- und Ernährungsberatung, Kochkurse oder Kochen für Kitas und Schulen. Kooperationspartner im Kiez und im Bezirk, mit denen dieses Thema in einem Workshop weiter verfolgt werden soll, sind zum Beispiel: das Zehlendorfer Bio-Catering-Unternehmen CATE, Luna Catering (Bio Essen für Schulen), die „Drei Köche“ aus der Waldsiedlung, die Online-Vermarkter www.regiotopia.de, das Oberstufenzentrum Agrartechnik (Lenne Schule), der Landkreis Teltow, mit dem das Bezirksamt eine Kooperation hat u.a.m. Auch externe Experten sollen zur Entwicklung umsetzungsreifer Ideen in diesem Zukunftsfeld eingeladen werden.

Touristischer Info-Point in Kiezladen/ Galerie

Die Architektur-Führungen des Nachbarschaftsvereins erfreuen sich großer Beliebtheit. Daher soll auch das Thema Stadtteiltourismus – ebenfalls in einem Workshop mit Akteuren aus dem Kiez und externen Experten - weiter verfolgt werden. Touristische Besucher zeigen sich nach Berichten der Ladenbesitzer an der Geschichte des Kiezes, dem Namen der U-Bahn-Station usw. interessiert. Deshalb besteht die Idee, im Kiezladen oder an anderer Stelle im U-Bahnhof /Ladenstraße einen touristischen Informations-Punkt einzurichten. Das Haus am Waldsee hat einen Audio-Guide für Spazier- und Fahrradtouren zur Waldsiedlung sowie zum Gebiet um den Schlachtensee entwickelt, der zum Verleih zur Verfügung steht. Ein Flyer zur Waldsiedlung zur Information von Touristen könnte neu aufgelegt werden. Im Kiez selbst sind Stelen aufgestellt, die über die Geschichte der Waldsiedlung informieren. Außer zum Thema Architektur sind Stadtteilführungen zu verschiedenen anderen Themen möglich: z.B. Gedenksteine, Julius Leber, Kameradschaftssiedlung der Nazis, in der auch Juden wohnten (EMA), Führungen in den Wohnhäusern.

Mobilität/ Fahrradverleih, -laden und –werkstatt

Eng verbunden mit dem Thema Tourismus ist die Idee eines Fahrrad- bzw. Elektrofahrzeug-Verleihs am U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte. Die Idee eines Fahrradgeschäftes mit Werkstatt in der Ladenstraße bzw. in ihrem Umfeld, wurde bereits in früheren Jahren favorisiert und bewegte auch die Teilnehmer der Steuerungsgruppe. Der Nachbarschaftsverein hat zu diesem Thema Kontakt zum Nachbarschaftshaus Mittelhof aufgenommen, wo eine Gratis-Radreparaturwerkstatt der Grünen Radler existiert. Der Mittelhof will den Bereich „Tauschen, Leihen, Reparieren“ weiter ausbauen, so dass es für eine Kooperation mit diesem Akteur weitere Anknüpfungspunkte gibt.

Haushalts- und Gartengeräteverleih

Unserem verstorbenen Kollegen Joachim Rudolph verdanken wir die Idee eines Verleih- und Reparaturservices für Haushalts- und Gartengeräte, die in der Steuerungsrunde große Zustimmung fand. Frau Charnow kann sich vorstellen, dass dazu die Werkstatt von Elektro Schäffler genutzt werden könnte. Die Idee soll in einem Workshop mit interessierten Akteuren ebenfalls weiter verfolgt werden.

Bauen und Wohnen

In einer Art Showroom zum Thema „Bauen und Wohnen“ könnte auch der altersgerechte Umbau von Wohnungen und Häusern in Kombination mit energetischen Sanierungsmaßnahmen zum Thema gemacht werden. Auch um dieses Thema weiter zu entwickeln, wird es darum gehen, die richtigen Akteure an einen Tisch zu bekommen. Einer davon könnte der Malereibetrieb Kränsel und Dembski sein…

Gesundheit/ Wellness

In der Ladenstraße gibt es ein erfolgreich arbeitendes Kosmetik-Studio, mehrere Friseurgeschäfte und eine Apotheke. Außerdem gab es aus Gesprächen mit den Akteuren im Kiez die Information, der in Berlin-Süd-West regelmäßig stattfindenden Gesundheitsmesse „Naturia“. Das brachte einige Teilnehmer der Steuerungsgruppe auf die Idee, das Thema „Gesundheit/Wellness“ in der Ladenstraße weiter auszubauen. Da auf dem Gelände Oskar-Helene-Heims ein großes Gesundheits- und Wellness-Zentrum geplant ist, mit einer Fahrradwege-Verbindung vom Oskar-Helene-Heim zur U-Bahn Onkel Toms Hütte könnte auch der Standort Ladenstraße eventuell von dieser Entwicklung profitieren.

Mode

Auch das Thema Mode spielte in den Befragungen und Interviews immer wieder eine Rolle. Die jungen Familien unter den Bewohner äußerten in den Befragungen mehrfach den Wunsch nach einem Kinderkleiderladen (neu und Second Hand). Die hochwertige Kleidung, die die Boutique „Luise“ jeweils zum Saisonbeginn in der Ladenstraße präsentiert, wurde von den Kundinnen stets gut angenommen. Ein weiterer Anknüpfungspunkt für den Ausbau des Angebotes in Sachen Mode sind die Boutiquen und der Juwelier in der Ladenstraße. Ein Anknüpfungspunkt könnte auch der polnische Stoffladen in der Argentinischen Allee sein. Außerdem gibt es im Kiez Näherinnen und Designerinnen. Zudem bestehen Kontakte zum Fashion Netzwerk Neukölln, das Mode für die Ladenstraße kreieren und diese in der Ladenstraße vorführen und verkaufen könnte.

Soziale Dienste für Jung und Alt

Außer über den bereits erwähnten Lieferservice diskutierte die Steuerungsgruppe die Möglichkeit, einen BegleitService einzurichten, um ältere Menschen im Kiez auf ihren täglichen Wegen zu begleiten. Noch offen ist, ob hierbei ehrenamtliche Helfer, Ein-Euro Jobber oder Schülerfirmen zum Einsatz kommen könnten. Im Zukunftsfeld „Soziale Dienste für Jung und Alt“ ging es darüber hinaus um weitere Angebote für ältere Menschen und für junge Familien.
Der Winterspielplatz in der EMA könnte wieder belebt werden. Geeignete Betreuer vorausgesetzt, könnte auch das Jugendcafe in der EMA wieder stärker genutzt und ein Sonntags-(Tanz-) Cafe für Senioren in der EMA angeboten werden. Aufgrund einer Veröffentlichung in der lokalen Presse haben sich Eltern als Betreiber für den Winterspielplatz bereits interessiert. Mehr dazu im nächsten Newsletter.
Eine weitere Geschäftsidee, die aus dem Kreis der Kiezakteure stammt, ist das Angebot von Senioren- Computerkursen und einem EDV–Support, den ein bereits bestehender Verein in Kooperation mit jungen IT-Spezialisten machen möchte.

Kommunikation und Medien

Als ein Projekt von und für Jung und Alt ist auch ein Kiezradio im Gespräch, das sein (Gläsernes) Studio im Kiezladen haben könnte. Für die Öffentlichkeitsarbeit zum Kiezprojekt werden neben den bereits genutzten lokalen Medien, Medienpartnerschaften mit „Der Zehlendorfer“ und der Gemeindezeitung der EMA aufgebaut.

Kunst und Kultur

In diesem Feld gibt es bereits Aktive, wie die EMA-Gemeinde mit ihrem Kulturangebot, die Bruno-Taut-Galerie und die Buchhandlung Born in der Ladenstraße, die Zinnowaldschule (der dortige Elternverein plant ein Kino) sowie viele im Kiez ansässige Künstler. Darüber hinaus wird von der EMA Gemeinde alle zwei Jahre eine Kunstgewerbeausstellung veranstaltet. Einige Bewohner wünschen sich den Verkauf von kunstgewerblichen Dingen, die von Kiezbewohnern hergestellt und in einem Laden in Kommission gegeben werden können. Der Bereich „Kunst und Kultur“ soll mit den o.g. und zusätzlichen Akteuren in einem Workshop weiter entwickelt werden.

Studentenlabor „Zukunft Ladenstraße“

Kiezbewohner Prof. Ripsas vom Lehrstuhl für Entrepreneurship an der Hochschule für Wirtschaft und Recht will die Entwicklung des Kiezes und der Ladenstraße ab dem Sommersemester 2012 mit seinen Studenten zum Thema machen und den Kiezprozess in einem Studentenlabor aktiv begleiten. Die Ergebnisse sollen auf der geplanten Zukunftskonferenz im Juni vorgestellt werden. Prof. Ripsas kann sich auch vorstellen, einzelne Geschäftsideen zu unterstützen, beispielsweise das erwähnte Cafe-Restaurant-Projekt oder die Verleih- und Reparaturstation.

 

Zukunftsthemen zur Standort-Profilierung

Erneuerbare Energie, Mehrgenerationen-Wohnen und Gemeinschaftsgarten sind Themen, die nach Ansicht der Beteiligten den Kiez und den Standort Ladenstraße zukunftsfähig profilieren könnten. Zum Thema Erneuerbare Energien wird es deshalb einen Energietisch geben, der neben den Experten auf diesem Gebiet, das Bezirksamt mit seinem Klimaschutzbeauftragten sowie die Bürger einbezieht, die gemeinsam Finanzierungs- und Umsetzungsideen erarbeiten sollen.
Signalcharakter hätte auch das Thema Mehrgenerationen-Wohnen. In Kooperation mit einem Wohnungsunternehmen könnte es hierzu ein Pilotprojekt geben.
Von einigen Teilnehmern im Prozess wird der Gemeinschaftsgarten als Zukunftsthema favorisiert. Dafür wird gegenwärtig eine geeignete Fläche gesucht. Dieser Garten könnte rund um die Ladenstraße oder sogar in der Ladenstraße selbst - als sogenanntes „Indoor-Green“ - angelegt werden. Auch zu diesen Themen gibt es mögliche Kooperationspartner, die der Projektträger aha ansprechen und in die weitere Diskussion einbinden wird.

Neue Mitglieder für die Steuerungsgruppe Zukunftskiez

Die Steuerungsgruppe für die Kiezentwicklung, die am 3. Januar zum ersten Mal zusammen kam, soll das System „Kiez“ repräsentieren, dafür sorgen, dass Synergieeffekte zwischen den Handlungsfeldern entstehen sowie die Machbarkeit einzelner Maßnahmen - die in Workshops mit Experten aus den jeweiligen Handlungsfeldern erarbeitet werden - überprüfen und Empfehlungen aussprechen.

Damit das „System Kiez“ in der Steuerungsgruppe vollständig vertreten ist, sollen weitere Personen und Unternehmen für die Mitarbeit gewonnen werden: die Vermietungsgesellschaft Urbanis, die BVG, TKS –Immobilien als Vermieter von Gewerbeflächen in der Ladenstraße, das Restaurant „Kretaner“, das auch ein Hotel betreibt, sowie die im Kiez tätigen Wohnungsunternehmen. Frau Otto wird als ehemalige Umweltstadträtin und Kiezbewohnerin der Steuerungsgruppe angehören und für eine gute Verbindung zum Bezirksamt sorgen.

Einbindung weiterer Kiez-Einrichtungen

Die Vereine und Einrichtungen (Kitas, Schulen, soziale Träger…) im Kiez sollen ab Februar durch einen Flyer über das Projekt informiert werden und Gelegenheit bekommen, sich in der Ladenstraße, auf der für Juni geplanten Zukunftskonferenz sowie auf dem Ladenstraßen-/Kiezfest im Herbst zu präsentieren.

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